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Die Johanniter in Niedersachsen und Bremen betreiben derzeit 28 Kindertagesstätten. Allein zehn Einrichtungen sind für 2018/2019 in Planung. (Foto: Die Johanniter)
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Die Erzieher-Ausbildung ist reformbedürftig

Personal aufstocken, Qualität ausbauen: Johanniter begrüßen Niedersachsen-Plan

Garbsen – Mit dem Ausbau der Kita-Plätze stehen viele Einrichtungen insbesondere bei der Suche nach geeignetem Personal vor großen Herausforderungen. Das Problem: Zu wenig junge Menschen begeistern sich für den Erzieher/-innenberuf. Vor dem steigenden Fachkräftemangel bleibt auch die Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen/Bremen als Träger von Kindertageseinrichtungen nicht verschont und begrüßt den Niedersachsen-Plan der Landesregierung.

„Die Erzieher/-innen-Ausbildung ist reformbedürftig. Damit sie für Berufseinsteiger wieder attraktiv wird, muss einiges getan werden“, macht Karin Schätzlein, Fachbereichsleitung Bildung- und Erziehung bei den Johannitern, deutlich. Erste Maßnahmen habe das Land schon getroffen. Laut Niedersächsischem Kultusministerium werden bereits an 24 Schulstandorten in Niedersachsen eine berufsgeleitende und vergütete Ausbildung für Erzieher/-innen angeboten, das Schulgeld erstattet und zusätzlich zum Arbeitsvertrag ein Ausbildungszuschuss von 150 Euro gewährt. „Das ist ein Weg in die richtige Richtung, den wir unterstützen“, hält die Expertin fest. Auch die Möglichkeit die Ausbildung in Teilzeit wahrzunehmen, würde immer häufiger angeboten.

Einen erhöhten Personalschlüssel, wie der Einsatz einer dritten Kraft in der Kita, sieht Schätzlein als unabdingbar: „Dieser muss dringend gesetzlich verankert werden.“ Derzeit würden mit der sogenannten „QuiK-Förderrichtlinie“ (Qualität in Kindertagesstätten) nicht einschlägig qualifizierte Quereinsteiger, mit der Voraussetzung mittlere Reife und Berufsausbildung, während ihrer Ausbildung als Zusatzkräfte eingestellt, um Kitas personell besser auszustatten. Die Verlängerung dieses Programms ist aber bis heute nicht sicher bestätigt.

Ein weiterer Vorteil: Die Ausbildungszeit für „QuiK-Kräfte“ verkürzt sich um fast ein Jahr. Der Ausbildungszeitraum zum Berufsbild Erzieher/-in beläuft sich sonst auf insgesamt vier Jahre. Nach zwei Jahren zur sozialpädagogischen Assistenz erfolgen nochmals zwei Jahre zur finalen Qualifikation Erzieher/-in – dies entspricht letztlich dem Bachelor-Niveau. „Das Ausbildungsniveau muss gehalten werden, der Betreuungsschlüssel verbessert und die Standards für Fachberatung gesetzlich verankert werden“, fordert Schätzlein.

Nachbesserungsbedarf besteht unter anderem auch im Bereich der Mitarbeiterentwicklung. „Natürlich möchten wir, dass Erzieher/-innen ihrem ausgebübten Beruf auch weiterhin treu bleiben. Das kann nur sichergestellt werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern. Dazu gehören entsprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie flexible Arbeitszeitmodelle“, hält die Fachbereichsleiterin fest. Doch auch an der Wertigkeit und Anerkennung des Berufsbildes müsse dringend gearbeitet werden.

In Niedersachsen und Bremen eröffneten die Johanniter in den vergangenen Monaten immer mehr Kitas, um die Nachfrage zu decken – allein zehn Einrichtungen sind für 2018/2019 in Planung. Im Landesverband betreibt die Hilfsorganisation derzeit 28 Kindertagesstätten und beschäftigt rund 350 Mitarbeiter. Gemäß einer Studie der Bertelsmann Stiftung fehlen derzeit bundesweit 103.000 pädagogische Fachkräfte. Die Johanniter haben aktuell noch offene Stellen zu besetzen. Mehr Infos unter: www.besser-für-alle.de.

GCN/diejohanniter/lw

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