Start > Auch interessant > Absturz in Armut und soziale Ausgrenzung vermeiden
Themenfoto
Auch interessant

Absturz in Armut und soziale Ausgrenzung vermeiden

Garbsen – Über 110.000 Frauen und Männer in der Region Hannover sind verschuldet oder akut von Überschuldung bedroht.

Hauptauslöser dafür sind: Arbeitslosigkeit oder gescheiterte Selbstständigkeit (rund 28 Prozent), Krankheit oder Sucht (18,9 Prozent), unwirtschaftliche Haushaltsführung (16 Prozent) sowie Tod des Partners oder Trennung (13 Prozent). Die Region fördert regionsweit 27 Schuldnerberatungsstellen – mit insgesamt über 2,5 Millionen Euro in den Jahren 2014 bis 2016. Das geht aus dem aktuellen Bericht über die Förderung von Schuldnerberatungsstellen vor, der am Dienstag (12.9.) dem Ausschuss für Soziales, Wohnungswesen und Gesundheit der Region Hannover vorgelegt wurde.

„Die Ursachen für eine Überschuldung sind vielfältig: Pech, Arbeitsverlust, Trennung oder auch einfach schlechter Umgang mit Geld – die Folgen aber sind oft dramatisch, wenn nicht eine frühzeitige und gute Beratung erfolgt“, so Erwin Jordan, Dezernent für soziale Infrastruktur der Region Hannover. „Wir setzen auch in Zukunft weiter darauf, das regionsweite Netz an Schuldnerberatungen weiter zu stärken und die Präventionsarbeit zu unterstützen.“

Allein im vergangenen Jahr betrugen die Gesamtausgaben der Region Hannover für Schuldnerberatungen rund 791.000 Euro. Davon entfielen knapp 345.300 Euro auf die Beratung von Menschen, die vom Jobcenter Region Hannover in die Schuldnerberatung vermittelt wurden. Darüber hinaus unterstützt die Region mit rund 445.500 Euro ein flächendeckendes Netz an derzeit elf Beratungsstellen im Rahmen der institutionellen Förderung. Sieben freie und kommunale Träger bieten entsprechende Beratungsleistungen vor Ort an: die Arbeiterwohlfahrt Region Hannover e.V., der Caritasverband Hannover e. V., der Diakonieverband Hannover-Land, die Stadt Garbsen, die Landeshauptstadt Hannover, die Zentrale Beratungsstelle des Diakonischen Werks Hannover gGmbH und die STEP gGmbH. Zusätzlich investiert die Region Hannover in die Präventionsarbeit von Schuldnerberatungsstellen: Im Jahr 2016 rund 25.700 Euro.

Insgesamt 4.634 Menschen holten sich 2016 Hilfe in den elf geförderten Stellen der allgemeinen Schuldnerberatung – gegenüber 2014 (4.443 Personen) ist damit die Beratungszahl um rund 200 Frauen und Männer gestiegen. Dahingegen ist die Quote überschuldeter Menschen über 18 Jahren in der Region Hannover leicht gesunken: Von 11,9 (2014) auf 11,7 Prozent (2016). Zum Vergleich: Niedersachsenweit lag diese Quote bei 10,5 Prozent in 2014, im Jahr 2016 bei 10,4. Laut aktuellem SchuldnerAtlas 2016 steigt jedoch die Zahl der überschuldeten Privatpersonen deutschlandweit kontinuierlich – lag die Quote 2014 bei 9,9 Prozent, ist sie 2016 auf 10,1 angewachsen, das entspricht rund 6,85 Millionen Bürgerinnen und Bürgern über 18 Jahre, die in Deutschland verschuldet sind.

In der Region Hannover sind knapp dreiviertel der Menschen, die die geförderten Beratungsstellen in Anspruch genommen haben, im Alter zwischen 31 und 60 Jahren. Fast die Hälfte der Ratsuchenden (48,7 Prozent) war im vergangenen Jahr zum Zeitpunkt des Beratungsgesprächs ohne Arbeit. Rund 45 Prozent der beratenen Haushalte verfügten im Zeitraum von 2014 bis 2016 nur über ein monatliches Gesamteinkommen bis zu 1.000 Euro. Ein Drittel der Schuldnerinnen und Schuldner hatte eine Gesamtverschuldung von bis zu 5.000 Euro. Der Großteil der verschuldeten Menschen ist allein stehend: Fast die Hälfte der Beratenen hat im vergangenen Jahr allein gelebt (45 Prozent), knapp 30 Prozent in einer Ehe oder einer Lebensgemeinschaft. Der Anteil der Alleinerziehenden liegt bei 15,7 Prozent.