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Nachkriegskindheit: 38 Fotos der Sammlung von Michael-Andreas Wahle sind Kern der Ausstellung. @Stadt Garbsen
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Sieben Garbsener erzählen von Kindheit zwischen Trümmern und Spielzeugträumen

Ausstellung „Himmel und Hölle“: Stadtarchiv zeigt Interviews und Fotos zur Nachkriegszeit in Garbsen und ganz Deutschland

GARBSEN .  Sie spielten zwischen Trümmern und Panzerteilen, träumten von Spielzeug, vom Vater, der noch in Gefangenschaft war, von fetter Wurst, warmer Kleidung oder einem eigenen Bett: Kinder in der Nachkriegszeit in ganz Deutschland hatten eine außergewöhnliche Kindheit. Denn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich die Not der Kriegsjahre fort. Mehr als zwölf Millionen Deutsche flohen aus ihrer Heimat oder wurden vertrieben. Elf Millionen deutsche Soldaten befanden sich noch in Gefangenschaft. Obwohl es in den ehemals selbstständigen Garbsener Dorfgemeinden kaum Kriegsschäden gab und manche Garbsener Kinder in dörflicher Idylle und mit Schafen als Spielkameraden aufwuchsen, herrschte hier dennoch nicht nur heile Welt.

Interviews offenbaren ganz persönliche Erinnerungen

„Himmel und Hölle – Kindheit in der Nachkriegszeit in Garbsen und anderswo“ lautet der Titel der neuen Ausstellung des Garbsener Stadtarchivs, die am Sonntag, 5. März, um 17 Uhr im Rathaus eröffnet wird. Rose Scholl und Daniela Nowak vom Stadtarchiv haben dafür sieben Garbsener interviewt, die ihre Kindheit hier verbrachten und dem Stadtarchiv ihre ganz persönlichen Erinnerungen und Fotos anvertraut haben. Die Interviewten sind zwischen 1937 und 1943 geboren – in Garbsen, Hannover und in Schlesien.

„Kinder sehen die Welt mit anderen Augen als die Erwachsenen, das wird hier deutlich“, sagt Scholl. „Sie hatten und haben andere Sehnsüchte, andere Träume.“ Auch diese Träume werden bei der Ausstellung zu sehen sein: Real aber quasi unerreichbar werden sie am Himmel der Rathauses an der Decke hängen – so wie der Puppenwagen einer Meyenfelderin oder das Spielzeugpferd auf Rädern aus der Familie von Hugo Greff, die als private Leihgaben die Dokumentation ergänzen. Benannt ist die Ausstellung nach dem gleichnamigen alten Hüpfspiel.

Das Thema ist hoch aktuell: „Noch sind die Erlebnisse der Nachkriegszeit in vielen Familien präsent. Die Interviews und Fotos bewahren die Geschichte vor dem Vergessen“, sagt Garbsens Schul- und Sozialdezernentin Iris Metge. „Das Thema Kinder in der Nachkriegszeit steht derzeit im Fokus des öffentlichen Interesses“, sagte Scholl bei der Präsentation der Ausstellungskonzeption. Auch heute würden viele Kinder von Geflüchteten der derzeitigen Flüchtlingswelle an den Folgen von Krieg und Flucht leiden – an Hunger, Vertreibung bis hin zu Traumata.

Fotos aus der Nachkriegszeit sind von großer Emotionalität

Kern der Ausstellung ist die Sammlung von Michael-Andreas Wahle. Sie besteht aus eindrucksvollen zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Fotografien, die Not und Entbehrung, aber auch Hoffnung und Aufbruch zum Ausdruck bringen. Die 38 großformatigen Fotos sind von großer Emotionalität und hätten überall in Deutschland entstehen können. Jedes Foto erzählt eine Nachkriegsgeschichte, die Geschichte eines Kindes, das die katastrophalen Zerstörungen des Krieges und die Folgen miterlebt hat. „Sie stammen aus aufgegebenen Kasernen der Alliierten. Amerikanische Soldaten hatten sie wohl beim Verlassen der Kasernen in den Müll geworfen“, sagte Rose Scholl.

Zwei Kinderchöre singen zur Ausstellungseröffnung am 5. März

Die sieben Interviewten werden voraussichtlich an der Eröffnung in der Rathaushalle teilnehmen. Die Schau ist dort bis zum 24. März zu sehen. Zur Eröffnung singen die Kinderchöre der katholischen Kirchengemeinde St.-Raphael und der evangelischen Kirchengemeinde Frielingen-Horst-Meyenfeld. „Die Kinder werden ältere Volkslieder wie ´Im Märzen der Bauer´ erklingen lassen“, sagte Scholl. Die Kinder seien schon beim Einstudieren der für sie ganz ungewohnten oder teilweise neuen Stücke neugierig darauf gewesen, was die Texte bedeuten.

Die Ausstellung wird auf Einladung des StadtArchivVereins Garbsen um einen Vortrag ergänzt: Die Historikerin Lu Seegers spricht am Mittwoch, 8. März, zum Thema „Leben mit dem toten Vater.“ Beginn ist um 18.30 Uhr im Ratssaal. Der Eintritt ist frei.

GCN/bs

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