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Jeder 9. Job 2014 unter Mindestlohn

Mittels dieser Erhebung konnte erstmals ermittelt werden, wie viele Jobs in Niedersachsen unterhalb der Mindestlohnschwelle vom 8,50 Euro pro Stunde lagen. Zugleich werden erstmalig Daten über regional unterschiedliche Verdienstniveaus vorgelegt.

Im April 2014, kurz vor der Einführung des Mindestlohns, gab es in Niedersachsen insgesamt 3,5 Millionen Jobs. Davon fielen 3,3 Millionen Jobs zum 1.1.2015 unter den Schutz des Mindestlohngesetzes, für die übrigen 166 000 Jobs lässt das Gesetz Ausnahmen zu, vor allem für Praktikanten und Menschen jünger als 18 Jahre. Bei 10,8 Prozent beziehungsweise 358 000 der fortan geschützten Jobs wurde weniger als 8,50 Euro je Stunde verdient; bundesweit lagen sogar 11,2 Prozent (4,0 Millionen) aller geschützten Jobs unter dem Mindestlohn.

In Niedersachsen befanden sich 82,7 Prozent beziehungsweise 296 000 aller vom Mindestlohngesetz geschützten und unterhalb des Schwellenwertes bezahlten Jobs in nicht tarifgebundenen Betrieben. Knapp zwei Drittel (226 000) der Jobs gingen auf Minijobs zurück. Frauen waren stärker als Männer betroffen: Knapp zwei Drittel (230 000) der Jobs mit weniger als 8,50 Euro je Stunde wurden von Frauen erbracht, 35,8 Prozent (128 000) von Männern.

Regionale Daten zu den vom Mindestlohn betroffenen Jobs liegen nicht vor. Jedoch lassen sich mit Hilfe von durchschnittlichen regionalen Bruttomonatsverdiensten Tendenzen durch Aussagen zur potentiellen Betroffenheit einer Region vom Mindestlohn ableiten: Dafür wurden die monatlichen Durchschnittsverdienste für 33 Arbeitsmarktregionen in Niedersachsen ermittelt. Dabei traten innerhalb Niedersachsens je nach Lage und Potential des Arbeitsmarktes deutliche Unterschiede zu Tage.

Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Vollzeitbeschäftigten ohne Sonderzahlungen lag im April 2014 in Niedersachsen bei 3 272 Euro und damit etwas niedriger als im Bundesdurchschnitt von 3 441 Euro.

Die höchsten Bruttoverdienste waren mit 4 300 Euro je Monat in der Arbeitsmarktregion Wolfsburg zu verzeichnen, gefolgt von der Arbeitsmarktregion Salzgitter mit 4 000 Euro. Überdurchschnittliche Verdienste wurden auch in der Arbeitsmarktregion Stade nördlich von Hamburg gemessen; dort verdienten die Vollzeitbeschäftigten durchschnittlich 3 800 Euro. Alle drei vorgenannten Arbeitsmarktregionen weisen industrielle Prägungen auf. Im Bundes- und Landesvergleich überdurchschnittlich fielen auch die Verdienste in den Arbeitsmarktregionen Hannover (3 500 Euro), Hameln, Braunschweig, Holzminden und Celle mit je 3 400 Euro aus.

Demgegenüber erzielten die Vollzeitbeschäftigten einiger peripheren Regionen im Harz, im Westen und Nordosten des Landes die geringsten Verdienste. In den Arbeitsmarktregionen Goslar, Soltau, Emden, Westerstede und Nordhorn erreichte das Verdienstniveau der Vollzeitbeschäftigten 2 800 Euro, in Cloppenburg und Osterode sogar nur 2 700 Euro. Am deutlichsten unterhalb des Niveaus des Landes lagen die Bruttoverdienste im ostfriesischen Leer (2 700 Euro) und am nordöstlichen Rand Niedersachsens: Festgemacht am sogenannten Kaitz-Index, stellt der Arbeitsmarkt Uelzen von allen Regionen Niedersachsens die potentiell am stärksten von den Auswirkungen des Mindestlohns betroffene Arbeitsmarktregion dar. Vollzeitbeschäftigte in der Arbeitsmarktregion Uelzen bekamen im Durchschnitt 2 300 Euro.

(GCN)